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ein kleines Juwel in Bad Gastein-Böckstein: Restaurant zur Post

 

fotos: hotel zur post

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Die äußeren Bedingungen waren alles andere als ideal für die knapp 15 km von Bad Hofgastein nach Bad Gastein-Böckstein, ins Restaurant ‚Zur Post‘, zu Markus Steinschaden. Kühl, kurz vor 19.00 Uhr dunkel, es goss in Strömen, wahre Wasserwände ließen keine Durchblicke. Ein leichtes Frösteln. Der Taxifahrer machte auch keinen Mut: da wollen sie hin?! als ich das Restaurant zur Post als Ziel angab. Wann soll ich sie denn abholen? Also maximal 1 ½ Stunden, länger werden sie sicher nicht bleiben. Also: alles andere als  ideal und ermutigend. Das Ziel zwischen den Wassermassen -ein Haus der üblichen Art. Der Gastraum war wenigstens hell und nicht düster, kleine abgeschirmte Tischinseln, die Holzverkleidung drumherum: Lochmuster.  Die Karte kam mit Standards: Forelle, Rumpsteak, Tatar, Mozzarella, Kartoffelrahmsuppe, Schnitzel, Rostbraten. Also auf ins berufliche Essabenteuer: sollte der Taxifahrer doch recht haben? Ja, er hatte Recht – mit seiner grandiosen Fehleinschätzung.  Klassische Produkte, klassische Angebote – aber von einer wunderbaren Qualität und überraschenden Eigenakzenten.

 Backhendlsalat

foto:jschi

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Ein Klassiker mit einer  subtilen eigenen Handschrift. Da ist erst einmal das Huhn – wer so etwas mal probiert, der sagt den Supermarktgockeln den gnadenlosen Kampf an. Ein Geschmack von Frische, erstklassigem Futter, eine unwahrscheinlich schmelzende Konsistenz. Das war er schon mal, der erste Paukenschlag – begleitet von Salatharmonien, die es in sich hatten: toll, frisch, knackig, vielfältig – eine Gurke, die  wieder den Geschmack von Gurke an den Gaumen zauberte. Kürbiskerne als knackige Elemente, eine ausgezeichnete Rotweinreduktion, eine selbstgemachte Balsamico Reduktion mit Sesam als äußere Ringe. Optisch ansprechend, appetitlich. Welch ein Auftakt.

Karotten Kokossuppe

foto:jschi

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Auch hier erst einmal ein guter optischer Einstieg – übersichtlich angeordnet, nichts belastet das Bild, überlastet es. Das Yin und Yang Muster überzeugt, lädt ein, macht Appetit. Eine sanft cremige, nicht kokoslastige Suppe mit dem vollen Eigengeschmack der Grundelemente. Weißer und schwarzer Sesam am Rand ist nicht nur für die Optik da, sondern ergänzt den guten Eigengeschmack der Suppe. Knusprige Beilage durch Wan Tan Gebilde vom Blätter- und Strudelteig. Der Scampi steckt auf einem Zitronengrasspieß – hier überzeugt mehr die Optik als der Geschmack – beim Scampi spürt man die Meeresferne, vermisst man die Topfrische.

Bachsaibling auf Thuntatar

foto:jschi

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Wieder der Versuch heimische Elemente mit asiatischen Komponenten zusammenzuführen. Hier: ein gelungener Versuch.  5 Elemente auf dem Teller, vielleicht etwas zu viel, hier aber zu verkraften, annehmbar. Ein kleines Roulette der Komponenten, die aber dann doch zueinander finden, sich ergänzen, überraschen. Im Mittelpunkt der Saibling und das Thuntatar – beide überzeugen im Geschmack – frische und gute Qualität. Die Selleriecremesuppe bringt einen überraschenden Angriff auf den Geschmack, passt aber durch keine Überwürzung, sondern  schmeichelt den beiden Hauptelementen. Genauso gewagt und verrückt der Kürbiskernaufstrich und der Liptaueraufstrich. Verrückt – muss man nicht, kann man aber und gewinnt sogar. Auch hier keine Geschmacksüberlagerung, sondern eine ungeahnte Begleitmusik.

Lammkarree, Erdäpfelgeröstl

foto:jschi

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Was sind das doch für Lämmer aus der Gegend! Biss für Biss schmeckt man die Landschaft, die Kräuter, das Gras, die Weide. Hier gilt: Zartheit, dein Name sei Lamm aus Österreich. Vom Chef auf den Punkt optimal gebraten, volle Konzentration in der Küche auf das wunderbare Produkt. Genauso liebevolle Behandlung beim Gemüse, beim leichten, eleganten Lammjus und bei  perfekten Bratkartoffeln. Zum Reinlegen.

Wenn der Chef so weiterkocht, auf Firlefanz, Schickimicki, Chichi, albernen Verrücktheiten verzichtet, dann berechtigt Markus Steinschaden zu den schönsten Hoffnungen.

 

 

 

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